Zahnärztlicher Praxisabgabemarkt extrem gespalten

Oktober 23, 2018

Seit 2007 nimmt die Zahl angestellter Zahnärzte rapide zu, nachdem das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz verabschiedet wurde und Zahnärzte seitdem zwei angestellte Zahnärzte in ihrer Praxis beschäftigten können. Waren damals ca. 6.000 Angestellte (Assistenzzahnärzte) in zahnärztlichen Praxen tätig, sind es heute ca. 18.000. 12.000 Zahnärzte ziehen also das Anstellungsverhältnis der Niederlassung vor und stehen als Käufer zur Übernahme von Zahnarztpraxen nicht zur Verfügung.

Deshalb wundert es nicht, dass ca. 70 % der abzugebenden Praxen nicht mehr veräußert werden können.

Andererseits treten seit kurzem institutionelle Anleger im Markt auf, die zugelassene Leistungserbringer (z. B. Krankenhäuser) erworben haben und kaufen mit diesen Zahnarztpraxen auf. Dabei handelt es sich grundsätzlich um Praxen mit siebenstelligem Umsatz und hoher Rentabilität. Bemerkenswert ist, dass solche Käufer Kaufpreise anbieten, die der klassische Übernehmer-Zahnarzt nicht in der Lage ist zu leisten. Die Kaufpreise ermitteln sich, indem das EBITDA der jeweiligen Praxis um einen Unternehmerlohn bereinigt wird und mit einem Faktor zwischen 5 und 8 multipliziert wird. Beispiel: Erwirtschaftet eine Praxis einen Cash-Flow von 600.000 € und wird der Unternehmerlohn mit 150.000 € angenommen, ergeben sich schnell Kaufpreise zwischen 2.000.000 € und 3.000.000 €.

Für interessierte Praxen stellen wir gern den Kontakt zu einem erfahrenen Beraterteam her, das die für die Investoren relevanten Kerndaten zusammenzustellt, Gespräche führt, die Due Diligence erfolgreich bearbeitet und attraktive Kaufvertragsabschlüsse herbeiführen kann.

BSG: Kein Abtretungsverbot für vertragszahnärztliche Honoraransprüche

Oktober 23, 2018

Mit Urteil vom 27.06.2018 (Az. B 6 KA 38/17 R) hat das Bundessozialgericht über die Frage entschieden, ob die KZV die Abtretbarkeit von Honoraransprüchen eines Zahnarztes einschränken darf. Die Antwort lautet: Nein.

Dem vorliegenden Fall lag die Abrechnungsordnung der KZV Rheinland-Pfalz zugrunde, in der es dem Zahnarzt verboten wird, seine Honoraransprüche an natürliche Personen bzw. juristische Personen, die kein Kreditinstitut sind, abzutreten. Das Gericht sieht darin eine unverhältnismäßige Einschränkung des Zahnarztes in seinem seiner Berufsausübung, da nicht erkennbar sei, dass der beklagten KZV durch eine solche Abtretung ein besonderer Aufwand entstünde.

Im Rahmen des Verfahrens rügte der Kläger auch die Zulässigkeit einer Sondergebühr, die die KZV für den organisatorischen Mehraufwand in Zusammenhang mit Pfändungen, Abtretungen bzw. Insolvenzverfahren erhebt. In diesem Fall teilte das Gericht jedoch die Ansicht der Beklagten und wies darauf hin, dass eine solche Gebühr rechtskonform sei.

Google muss 1-Stern-Bewertung löschen

Oktober 10, 2018

Bewertungsportale erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, insbesondere unter Verbrauchern. Sie geben hilfreiche Tipps bei der Auswahl von Kosmetikprodukten, Kleidung oder dem neuen Arzt.

Ein niedergelassener Kieferorthopäde hat nun Google aufgrund einer 1-Stern-Bewertung vor dem LG Lübeck (Urteil vom 16.06.2018, Az. 9 O 59/17) verklagt und Recht erhalten. Er sah sich durch diese Bewertung in seinem Ansehen negativ beeinflusst.

Die abgegebene Bewertung wurde weder durch einen Erfahrungsbericht kommentiert, noch durch einen Patientennamen verifiziert, sodass sich herausstellte, dass der Kommentar nicht von einem Patienten des Kieferorthopäden stammen konnte. Google wurde nun verurteilt, die Bewertung zu löschen.

Das Urteil im Volltext finden Sie hier: https://www.iww.de/quellenmaterial/id/202014

Von der zahnärztlichen BAG zum MVZ

Oktober 1, 2018

Bestimmt haben auch Sie sich schonmal die folgende Frage gestellt oder bekamen diese von einem Klienten gestellt:

„Lohnt sich ein MVZ auch für mich?“

Da wir bereits eine Vielzahl an Mandanten bei der Umsetzung eines MVZs betreut haben, möchten wir unsere Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Die Verwirklichung unternehmerischer und zahnmedizinischer Zielsetzungen in Berufsausübungsgemeinschaften (BAGs) ist begrenzt. Die Umsetzung eines ursprünglich gemeinschaftlich verabschiedeten Praxiskonzepts scheitert häufig an dem jedem Gesellschafter zuzustehenden Recht, seine Tätigkeit „in freier Praxis“ auszuüben. Denn der niedergelassene Zahnarzt in einer Berufsausübungsgemeinschaft entspricht nur dann dem sozialrechtlichen Leitbild, wenn er die persönlichen und sachlichen Mittel, die er zur Behandlung benötigt, frei wählen kann. Im Fazit bedeutet dies, dass ein mehrheitlich beteiligter zahnärztlicher Gesellschafter „seine“ Praxis nur in dem Rahmen prägen kann, wie sich seine Mitgesellschafter durch Überzeugung und Absprachen bereit erklären, „ihre freie Praxis“ (z. B. Behandlungskonzepte, Sprechzeiten) darauf einzustellen.

Will der Zahnarzt diese Einschränkungen umgehen, kann er entweder in Einzelpraxis mit bis zu zwei in Vollzeit tätigen angestellten Zahnärzten tätig werden oder die BAG in ein MVZ umwidmen.

Das MVZ bietet gegenüber der Berufsausübungsgemeinschaft folgende Vorteile:

  1. Die Möglichkeit, mit einer unbeschränkten Zahl von Zahnärzten in einem Anstellungsverhältnis zu arbeiten.
  2. Niederlassungen zu gründen, die von angestellten Zahnärzten betrieben werden.
  3. Durch die ausschließliche Anstellung von Zahnärzten (zumindest in der Rechtsform der GmbH) ist gewährleistet, dass die Ärzte in das Behandlungs- und Organisationskonzept vollständig eingebunden bzw. darauf verpflichtet werden können.

Seit 2015 bedarf die Gründung des MVZs nicht mehr der Beteiligung von Ärzten mindestens zweier Fachdisziplinen, sondern kann auch von Zahnärzten alleine gegründet werden.

Der zahnärztliche Alleingesellschafter muss dabei die sogenannte Gründereigenschaft verwirklichen, also zur zahnärztlichen Tätigkeit zugelassen sein. In diesem Fall kann er nicht nur selbst als alleiniger Gesellschafter eine MVZ-GmbH gründen, in der er arbeitet, sondern sich an anderen MVZs beteiligen oder an anderen Orten MVZs begründen und sie mit angestellten Zahnärzten führen.

Damit eröffnet das MVZ die Möglichkeit, zahnmedizinische Standards zu definieren und diese gesichert in der Patientenversorgung umzusetzen, einen unternehmerischen Anreiz, bewährte Behandlungs- und Organisationskonzepte durch Einstellung weiterer angestellter Zahnärzte zu skalieren und ggf. ein solches Behandlungs- und Organisationskonzept an anderen Orten durch Gründung weiterer MVZs umzusetzen.

 Die steuerliche Behandlung von Einkünften aus dem MVZ

Der Alleingesellschafter eines MVZs erzielt – anders als der in Einzelpraxis oder Berufsausübungsgemeinschaft niedergelassene Zahnarzt – keine Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit gem. § 18 EStG, sondern Einkünfte aus angestellter, nichtselbständiger Tätigkeit (§ 19 EStG) und Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG).

Bei diesen Einkunftsarten ist eine Privilegierung des Anteilsverkaufs gem. §§ 16 und 34 bei Veräußerung der Praxis nach Vollendung des 55. Lebensjahres zwar ausgeschlossen, andererseits ist der Verkauf von GmbH-Anteilen insoweit privilegiert, als Gewinne nur mit ca. 30 % besteuert werden. Im Saldo sind die steuerlichen Vorschriften restriktiver als bei der Berufsausübungsgemeinschaft; diese Nachteile dürften aber bei weitem durch die oben beschriebenen unternehmerischen Vorteile kompensiert werden, die in Kürze zusammengefasst darin liegen, dass der Unternehmer sein Unternehmenskonzept weitestgehend unbeeinflusst in die Praxis umsetzen kann.

„Fahrplan“ zur Überprüfung einer Berufsausübungsgemeinschaft in ein MVZ

Führt eine Opportunitätsanalyse der individuellen Zielvorstellungen des Zahnarztes dazu, dass das MVZ diese Ziele besser befriedigt als eine Berufsausübungsgemeinschaft, stellt sich die Frage, wie eine Berufsausübungsgemeinschaft in ein MVZ zu überführen ist. Grundsätzlich kann dies so geschehen, dass die bisherigen Gesellschaftsverhältnisse erhalten bleiben und sich lediglich die Rechtsform wandelt.

Soll die Berufsausübungsgemeinschaft in ein MVZ überführt werden, kann dies steuerlich optimiert dadurch geschehen, dass die Praxis zu Buchwerten in die GmbH eingebracht wird. Dies hat zur Folge, dass keine stillen Reserven aufgedeckt und versteuert werden müssen.

Der „Fahrplan“ für die Überführung einer Berufsausübungsgemeinschaft in ein Medizinisches Versorgungszentraum könnte wie folgt aussehen:

  1. Alle Voraussetzungen zur Gründung eines MVZs schaffen (z. B. Erarbeitung eines Vertragswerks)
  2. Vorbereitung der neuen Geschäftsausstattung und des neuen Internetauftritts.
  3. Beantragung der Zulassung des MVZs bei der KZV